Presseerklärung, 12.9.97

EXTENSION-Wettbewerb gehackt

127 Wettbewerbsbeiträge sind nicht von KünstlerInnen, sondern von einem Computerprogramm

„280 Anmeldungen - Zwei Drittel sind Frauen“, heißt es in der Pressemitteilung der Hamburger Kunsthalle, die am 3.Juli 1997 zum EXTENSION-Wettbewerb herausgegeben wurde. Verschiedene Medien, wie die Hamburger Morgenpost und Bunte-online, griffen diese Meldung auf.

Doch Kunsthalle und Presse waren Opfer einer Hacking-Aktion geworden: Tatsächlich stammen 127 der Einsendungen nicht von realen Netzkünstlerinnen, sondern waren automatisch von einem Computer-Programm generiert worden.

Die Hamburger Künstlerin Cornelia Sollfrank hat sich für diese künstlerische Intervention Hunderte von e-mail-Adressen auf Servercomputern in sieben Ländern besorgt, über die diese simulierten Netzkunstwerke eingesandt wurden. Diese „Kunstprojekte“ bestanden aus zufällig rekombinierten Webpages, die eine Suchmaschine im Internet gesammelt hatte. Alle fiktiven Netzkünstlerinnen bekamen einen Vor- und Nachnamen, eine ordentliche Postadresse sowie eine funktionierende e-mail-Adresse.

Außer der dadurch erhöhten Wahrscheinlichkeit, einen Preis zu gewinnen, versuchte die Künstlerin mit FEMALE EXTENSION, das vorgegebene Thema des Wettbewerbs „Internet als Material und Gegenstand“ besonders ernst zu nehmen.

Welche Bedeutung haben die Geschlechtszuschreibungen männlich/weiblich noch im Internet? Wer kann überprüfen, ob sich hinter einer e-mail-Adresse ein Mann oder eine Frau verbirgt? Und in wie viele virtuelle Identitäten kann sich eine einzelne Netzkünstlerin aufspalten? FEMALE EXTENSION stellt diese Fragen und widerspricht gleichzeitig Vorurteilen über Frauen und Technik.

Darüber hinaus zeigt FEMALE EXTENSION, daß sich Kunst im Internet nicht auf die Gestaltung von Webpages beschränken muß, sondern auch die technologischen Dispositive des Netzes thematisieren kann.

Kontakt: 100136.14@compuserve.com